Darum geht es:
Wie weit würdest du gehen?
Nach dem Tod seines Vaters zieht Avid mit seiner Mutter, einer Polizistin, in eine andere Stadt. Hier wollen die beiden einen Neustart wagen. Doch dann wird Avids Laptop mit all den Erinnerungen an seinen Vater gestohlen. Die Spur führt Avid zu einer Gruppe Jugendlicher rund um das selbstbewusste Mädchen Vulkan. Ihre Mission: Sie wollen die Erde zu einem gerechteren Ort machen, indem sie Reichtum umverteilen. Und dafür ist Vulkan und ihren Freunden fast jedes Mittel recht. Denn wie kann man es einfach hinnehmen, dass man als Jugendlicher so machtlos ist gegenüber den Ungerechtigkeiten auf der Welt? Zunächst macht Avid nur mit, um seinen Laptop zurückzubekommen. Mit der Zeit kann er sich jedoch immer mehr für ihre Pläne begeistern und beginnt, Grenzen zu überschreiten …
Cover & Klappentext (c) Dragonfly Verlag
Meine Meinung:
Was ist eigentlich fair? Das ist die grundlegende Frage, mit der sich dieses Buch beschäftigt. Ist es fair, Laptops aus dem Gebäude eines Millionenunternehmens zu stehlen, um sie an Schüler*innen zu verteilen, die eins für die Schularbeit brauchen, es sich aber nicht selbst leisten können? Oder teure Autos zu knacken, um das Diebesgut zu verkaufen und davon eine neue Brille für eine verarmte Rentnerin zu bezahlen? Heiligt der Zweck nicht die Mittel, wenn die Leidtragenden stets diejenigen sind, denen der Verlust nicht wehtut?
Aber von vorn: Die Geschichte beginnt mit einem Laptop. Avids Laptop, der sich nach dem Umzug noch im Leihwagen befindet, als dieser von zwei Jugendlichen aufgebrochen wird. Avid ist nicht bereit, den Laptop mit allen Erinnerungen an seinen verstorbenen Vater kampflos gehenzulassen und nimmt die Verfolgung auf – erfolglos. Doch er gibt nicht auf und findet die Übeltäter. Aus der Not heraus, gibt er vor, mitmachen zu wollen – und ehe er sich versieht, ist er mittendrin und begeistert von der Mission.
„Fair. Ohne Kompromisse“ erzählt eine moderne Robin Hood-Geschichte mit Moral und Gerechtigkeit als übergeordneten Themen. Die Gruppe um Anführerin Vulkan (Decknamen für die Anonymität, versteht sich) sieht sich nicht als Diebe oder Kriminelle, obwohl ihnen natürlich klar ist, dass sie gegen das Gesetz verstoßen. Sie sehen sich stattdessen als die Helden, die den Menschen helfen, die es brauchen. Und das, was sie mit den gestohlenen Geräten (meistens Elektronik) tun, ist gut. Ihr Motiv ist gut. Nur die Umsetzung ist es nicht. Doch beim Lesen selbst verwischen die Grenzen von gut und schlecht so meisterhaft, das man selbst nicht mehr weiß, auf was für einer Seite man eigentlich steht.
Und das wiederum lässt Raum für eine echt spannende Diskussion, über die ich auch Wochen, nachdem ich das Buch beendet habe, noch nachdenke. In dieser Hinsicht hat dieser Jugendroman ab 12 etwas vollbracht, das viele Jugendromane leider nicht schaffen: Er bleibt im Kopf. Respekt dafür.
Im Großen und Ganzen:
„Fair. Ohne Kompromisse“ ist ein wichtiger Jugendroman, der auf die Misstände unserer Gesellschaft aufmerksam macht und uns immer wieder die Frage stellt, was eigentlich fair ist. Eignet sich mit Sicherheit auch super als Schullektüre.
Weitere Informationen:
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- Titel: Fair. Ohne Kompromisse
- Reihe: /
- Autor*in: Nina Weger
- Verlag: Dragonfly Verlag
- Seiten: 288
- ISBN: 978-3748802983
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