Rezension

[Abbruch-Rezension] Hidden Love – Unter seinem Schutz von Lina Jacobs

Du kannst die Vergangenheit nicht totschweigen!

Jessie weiß keinen Ausweg mehr. Ihr Halbbruder, der vor Jahren in den Mord an ihren Eltern verwickelt war, kontrolliert jeden Aspekt ihres Lebens. Psychisch labil wie sie ist, beschließt sie, sich das Leben zu nehmen, doch bevor sie ihren Plan in die Tat umsetzen kann, ist da auf einmal Ray, ein Polizeibeamter, der sie im letzten Moment davon abhält, sich von der Brücke zu stürzen.

Ray will Jessie nur beschützen und doch spürt er schon bald ein unstillbares Verlangen nach der jungen Frau. Dabei müssen die beiden auf der Hut sein, denn Jessies Halbbruder wird nichts unversucht lassen, um sie zum Schweigen zu bringen.

Und wie finde ich das?

Ganz offensichtlich nicht gut, sonst hätte ich das Buch nicht abgebrochen. Tatsächlich habe ich das Buch nach 40% beiseite gelegt, da bereits der Teil, den ich gelesen habe, eher eine Quälerei für mich war und ich nicht glaube, dass die verbliebenen 60% besser werden. Im Folgenden werde ich euch erzählen, wieso ich “Hidden Love – Unter seinem Schutz” abgebrochen habe. Obwohl ich nur bis 40% gelesen habe, möchte ich an dieser Stelle auf Spoiler hinweisen, die in der Abbruch-Rezension vorkommen.

Ich habe einiges zu kritisieren und teile die Kritikpunkte daher in verschiedene Kategorien ein: Schreibstil, Handlung und Charaktere. Tatsächlich hatte ich nämlich an allem etwas auszusetzen.

Beginnen wir mit dem Stil des Buches. In einem Wort lässt sich der Schreibstil der Autorin als plump bezeichnen. Sie erzählt die Geschichte aus der Sicht der beiden Protagonisten, Jessie und Ray, wobei nicht immer klar ersichtlich ist, wann der Ich-Erzähler wechselt. Aber das ist nicht das große Problem beim Stil, sondern die Tatsache, dass die Autorin beschreibt und erzählt, dem Leser aber kaum etwas zeigt. Innerhalb des ersten Kapitels aus der Sicht von Ray wusste ich alles über sein Liebesleben, was den Kerl nicht unbedingt sympathischer gemacht hat, aber dazu später mehr. Infodump oder zu Deutsch eine Informationsüberflutung vom allerfeinsten. Finde ich ja toll. Nicht.

Zur Handlung sei so viel gesagt: Nachdem die Protagonistin als Kind beobachtet hat, wie ihr Halbbruder mit einem Kumpel in ihre Wohnung eingestiegen ist und ihre Eltern dabei ums Leben kamen, hat er sie in ihrer Gewalt und kontrolliert alles an ihrem Leben bis sie mit 22 Jahren in psychologischer Behandlung und suizidgefährdet ist. Ausgerechnet an dem Tag, als sie sich umbringen will, taucht Ray ganz zufällig natürlich an der Brücke auf und aufgrund einiger anderer ganz zufälliger Ereignisse übernachtet sie dann bei ihm. Die beiden kennen sich da seit vielleicht zwei Stunden.

Das ist selbstverständlich genug Zeit, um das eiskalte Herz von Ray, der Frauen immer nur in sein Bett aber nicht in sein Herz holt, zu erweichen, so dass er sich innerhalb von einer Nacht – in der er übrigens einen feuchten Traum mit ihr hat – in sie verliebt. Logisch. Natürlich geht es ihr haargenauso, wäre ja sonst auch langweilig. Insta-Love wird hier großgeschrieben, Leute. Bis zur ersten Bettszene bin ich nicht gekommen, allerdings vermute ich, dass die nicht mehr lange auf sich warten lässt.

Darüber hinaus hält die Story einiges an Urg- und Facepalm-Momenten bereit, wie zum Beispiel, als Ray seinem Automechaniker ganz beiläufig erzählt, dass er sich als Polizist um Jessie kümmert, da diese sich am Vortag umbringen wollte. Ich meine, hallo? Muss man solche Sachen einfach so ausplaudern oder wäre es an dieser Stelle nicht sinnvoll gewesen, einfach mal die Klappe zu halten?

Aber auch wenn ich handlungstechnisch viel zu meckern habe, gibt es eine Sache, die durchaus Potential gehabt hätte und das ist der Handlungsstrang um den Serienmörder, der gerade in der Stadt sein Unwesen treibt und dem Ray und sein Team auf der Spur sind. Das war echt interessant, wenn auch stellenweise zu sehr in Richtung Ermittler-Drama-TV-Serie.

Zu den Charakteren: Wir haben Jessie, die Vorzeigeschwester an der Seite des superreichen Kunsthändlers Victor. Sie ist psychisch labil und in Behandlung, aber das ist nicht so wichtig, solange sie teure Designermode trägt und ihren Mund hält, weil sonst ja alle Welt erfahren würde, dass ihr Bruder ein Krimineller ist. Selbst nach ihrem Suizidversuch, der schon leicht suggeriert, dass sie sterben möchte, hat sie immer noch Angst, dass ihr Bruder auch sie umbringen könnte, wenn sie zur Polizei geht. Wobei … das stimmt nicht ganz. Sie hätte nicht einmal ein Problem damit, wenn er sie umbrächte, aber trotzdem geht sie nicht zur Polizei, was ganz klar logisches und vernünftiges Verhalten wäre.

Und Ray. Polizeibeamter, natürlich unglaublich heiß und ein absoluter Playboy. Im Grunde ein wandelndes Klischee. Seine aktuelle Freundin wird ihm zu anhänglich und nervt ihn, weil er ja nicht der Typ für was Festes ist. Dann ist es natürlich vollkommen selbstverständlich, dass er einfach Anrufe besagter Freundin wegdrücken darf. Wir wollen ja nicht, dass sie ihn nervt, oder? Grundsätzlich geht er davon aus, dass jedes weibliche Lebewesen auf diesem Planeten (oder zumindest in dem Buch) auf ihn steht und sich nichts anders wünscht, als an Ort und Stelle von ihm genommen zu werden.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Ahnung, wer ihn so frauenverachtend erzogen hat, aber das soll wohl seine Entwicklung im Roman noch deutlicher machen. Glaube ich. Verstehe ich aber trotzdem nicht. In so gut wie jeder Szene, in der eine Frau aufgetaucht ist und er erst einmal in Gedanken lang und ausführlich beschrieben hat, wie heiß sie ist, wollte ich ihn schlagen. Ganz fest. Mit einem Stuhl. Ins Gesicht. Ihr versteht, was ich meine?

Aber dann … BÄMM … kommt Jessie und auf einmal gibt es nur noch sie. Fürs Protokoll: Sie kennen sich da noch nicht einmal einen Tag. Insta-Love, ich hab’s ja gesagt. Und in etwa da habe ich das Buch abgebrochen, weil ich mir Ms Ich-will-zwar-eigentlich-sterben-habe-aber-trotzdem-zu-viel-Angst-dass-mein-Bruder-mich-töten-könnte-wenn-ihn-anzeige und Mr Seht-mich-an-ich-bin-so-toll nicht noch weitere 150 Seiten zu Gemüte fühlen wollte.

Fazit

“Hidden Love – Unter seinem Schutz” ist ein Buch mit guten Ansätzen und einer katastrophalen Umsetzung. Insta-Love und Info-Dump bestimmen die Geschichte von zwei ebenso flachen wie unsympathischen Protagonisten und nicht einmal der Schreibstil kann das ausgleichen. Ich habe das Buch abgebrochen.

Weitere Informationen

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(c) Forever by Ullstein
Titelbild (c) Eisermann
  • Titel: Hidden Love – Unter seinem Schutz
  • Autor: Lina Jacobs
  • Reihe: /
  • Preis: 3,99 € (E-Book) | 10,90 € (Taschenbuch)
  • Seitenzahl: 281
  • ISBN: 978-3-95818-156-4 (E-Book)
               978-3-96173-113-8 (Taschenbuch)
  • Weitere Informationen gibt es hier (Ullstein) oder hier (Eisermann).

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