Autorengedöns

[Autorengedöns] Man muss nicht immer alles perfekt machen!

Guten Morgen, meine Lieben!

An der Überschrift könnt ihr bereits erkennen, dass ich heute ein wenig Off-Topic unterwegs bin. Anstatt euch etwas über Bücher oder übers Bloggen zu erzählen, geht es in diesem Beitrag um meine Autorentätigkeit, die ich betreibe, seitdem im Juli 2017 mein Debüt-Roman erschienen ist.

Inzwischen besitze ich zwar eine echt coole Website mit Blog und allem drum und dran und eigentlich würde dort der Beitrag eher hinpassen, aber … es ging nicht. Als ich angefangen habe, diesen Post zu verfassen, war das sogar auf meinem Autorenblog, aber es hat sich irgendwie ziemlich falsch angefühlt. Schließlich ist das hier mein Blog – und zwar schon seit 3,5 Jahren – und hier sollten meine Beiträge erscheinen. Ende der Geschichte. Keine Ahnung, ob das jetzt eine regelmäßige Kategorie wird – das wird sich wohl in Zukunft zeigen -, aber ich fange heute einfach mal an.

Wieso Perfektionismus nicht immer gut ist.

Immer öfters bekomme ich ungläubige Blicke, wenn ich gefragt werde, wie viel ich dieses Jahr bereits geschrieben habe und darauf antworte, weil ich mich schließlich nicht für mein Schaffen schämen muss. (Es sind übrigens aktuell ca. 630.000 Wörter, die sich auf acht Manuskripte verteilen.)

Daraufhin sind Fragen und Aussagen wie “Wie schaffst du das nur?”, “Hast du einen Zeitumkehrer?” oder “Du bist echt eine Turboschreibmaschine!” keine Seltenheit. Kurz vorweg: Nein, ich habe keine Zeitumkehrer. Schön wäre es, aber leider ist das nicht der Fall. Und in der Facebook-Schreibgruppe “Nanowriyeah!” werde ich seit Jahren Turboschreibmaschine genannt. So irgendwie ist das mein Spitzname geworden. Ich fühle mich davon immer noch sehr geschmeichelt.

(c) Pexels

Aber wie mach ich das denn nun? Und kann das jeder?

Auch hier habe ich noch eine kurze Anmerkung: Als Studentin mit einem Nebenjob, der mich nicht ganz so sehr fordert, habe ich mitunter tatsächlich einfach mehr Zeit als Menschen, die Vollzeit arbeiten. Selbst mit Blog bleibt da noch viel Puffer, um zu schreiben.

Trotzdem kann das natürlich jeder schaffen. Man muss nur das richtige System für einen selbst finden. Früher, in meiner Anfangszeit, habe ich beispielsweise über jeden verdammten Satz zehn Minuten nachgedacht, war nie zufrieden und bin dadurch auch nicht vorangekommen. Es hat mich wahnsinnig und verrückt gemacht, dass ich meinen eigenen inneren Lektor nicht einfach ausschalten konnte. (Fürs Protokoll: Damals hatte ich noch nicht ein Lektorat über mich ergehen lassen, dementsprechend hatte ich auch keine Ahnung, worauf es eigentlich ankommt.)

Wenn es euch also genauso geht, wie mir damals, wäre es vielleicht an der Zeit, getreu dem Nanowrimo-Motto, einfach nur zu schreiben, ohne sich groß Gedanken um die Qualität zu machen. Klingt erstmal seltsam, hilft mir aber ungemein. Wenn ich die Rohfassung eines Skriptes herunterschreibe, achte ich kaum auf Wortwiederholungen und Satzstellung. Ich schreibe, wie es mir gerade passt. Mein Wordcount schießt schnell in die Höhe, der Erfolg dessen bringt neue Motivation bis das Skript innerhalb kürzester Zeit abgeschlossen ist.

Klar, im Nachhinein hat man kein fertiges Skript, sondern höchstens ein Gerüst, an dem man arbeiten kann, aber es fühlt sich erst einmal gut an, dass man den Schritt des Schreibens überwunden hat. Das Schreiben selbst ist nämlich noch das einfachste. Jetzt kommt das Überarbeiten und das ist meistens sehr viel nervenaufreibender.

(c) Pexels

Manche Autoren suchen erstmal den Abstand vom Text, um diesen später kritischer beurteilen zu können, und andere – so wie ich – überarbeiten ihn erstmal gar nicht. Die komplette Rohfassung wandert direkt so wie sie ist an meine Alphaleserin. Diese ist selbst Autorin und eine der wenigen, die mir ungeschönt an den Kopf werfen dürfen, wenn ihnen etwas nicht passt. Ich habe kein großes Testleser-Squad, sondern in den meisten Fällen zwei bis drei Leute, die über meine Skripte lesen, aber diese sind ehrlich, zuverlässig und wissen, worauf sie bei mir achten müssen.

In meinen Augen ist es das, worauf es ankommt, wenn man sich Testleser ins Boot holt. Es geht nicht um so viele Meinungen wie möglich und auch nicht um geschönte, unkritische Meinungen, sondern um Ehrlichkeit. Und zwei bis drei ehrliche Testleser bringen so viel mehr als zwanzig Leute, die grundsätzlich alles toll finden.

Mit der Testleser-Meinung im Hinterkopf und schon etwas Abstand zum Rohmanuskript geht es dann an die Überarbeitung. Hier sind der innere Lektor und Perfektionismus wieder gern gesehen. Stellt Sätze um, hinterfragt die Logik, streicht Unnötiges und schaut, wo ihr den Text noch ausbauen könnt. Womöglich werdet ihr auch noch einige Kapitel ergänzen. Fein. Ist dann eben so. Aber es wird euch trotzdem leichter fallen, als alles direkt zu Beginn perfekt zu machen. Weil ihr einen unperfekten, aber handlungstechnisch abgeschlossenen Text vor euch habt und diesen nun auf Hochglanz polieren könnt. Glaubt mir, das Gefühl, wenn euer Skript Formen annimmt, ist einfach genial! Ich habe die Überarbeitung mittlerweile sehr liebgewonnen.

Da meine Texte meist nicht so lang sind (ca. 60.000 bis 70.000 Wörter), scheint das erstmal nicht viel. Mein Rekord liegt aber dabei, dass ich in der Überarbeitung ca. 15.000 Wörter dazugeschrieben habe. (Das wäre übrigens “College Princess. Bürgerlich verliebt”, was am 4. Oktober 2018 bei Carlsen Impress erscheint.)

Danach bin ich meist schon zufrieden und auch wenn mit Testlesen doch einiges an Zeit vergeht, fühlt es sich trotzdem an, als hätte man in einer sehr kurzen Zeitspanne ein ganzes Buch fertigstellen können. Die Zeiträume, in denen die Testleser daran zugange sind, kann man ja schon mal am nächsten Skript arbeiten.


Selbstverständlich muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er oder sie am besten arbeiten kann. Es gibt schließlich nicht den einen perfekten Weg, der dann zum besten Buch der Welt führt (Als ob es so etwas wie ein bestes Buch überhaupt gäbe), sondern viele Möglichkeiten. Manchmal muss man einfach ein wenig rumprobieren, bis man die Technik gefunden hat, die für einen selbst am besten funktioniert.

Natürlich gibt es zum Schreiben selbst ebenfalls bestimmte Tricks und Tipps fürs Zeitmanagement, aber ich denke, das würde diesen Beitrag fürs erste sprengen. Vielleicht schreibe ich mal einen weiteren Post darüber. :)

An die Autoren unter euch: Wie schreibt ihr? So wie ich ohne Rücksicht auf Verluste alles runter oder direkt zu Anfang so perfekt wie möglich? Hinterlasst mir eure Vorgehensweise gerne in den Kommentaren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.