Rezension

Elya. Der weiße Drache von Dana Müller-Braun [Rezension]

Ein Neubeginn in June Lake ist genau das Richtige für Elya – sagt zumindest ihre Mutter, die kurzerhand mit ihr genau dorthin zieht. Elya, die noch immer mit Geschehnissen in der jüngsten Vergangenheit zu kämpfen und sich dadurch sehr zurückgezogen hat, trifft schnell auf die Jugendlichen des Ortes. Diese scheinen jedoch nicht ganz normal zu sein. Ein Geheimnis umgibt sie und vor allem den gutaussehenden, aber leider unausstehlichen Levyn …

Mir ist lange keine Rezension mehr so schwer gefallen. Nachdem ich mit den letzten Büchern der Autorin meine Probleme hatte, wusste ich zunächst nicht, ob ich mich an “Elya” wagen soll. Dabei hat mich die Drachenthematik von Anfang an gereizt und schlussendlich auch den Ausschlag gegeben, diesem Buch doch eine Chance zu geben. Innerhalb weniger Tage habe ich nun den ersten Band der Trilogie beendet und weiß nicht, wie ich meine Meinung in Worte fassen soll. Nicht weil ich das Buch nicht gut fand – ich bin tatsächlich echt positiv überrascht -, sondern weil “Elya. Der weiße Drache” mich in einigen Punkten zwiegespalten zurücklässt. Punkte, die ich eigentlich nicht gut finden sollte, es aber trotzdem tue.

Von einem Neubeginn mit vielen Geheimnissen …

Das erste Geheimnis bildet allein schon der Anfang des Buches, der nur aus einer kurzen Sequenz besteht, die dem Leser erst einmal Rätsel aufgibt. Erst danach springt die Handlung zu Elya, die mit ihrer Mutter auf den Weg nach June Lake ist. Die jüngsten Ereignisse, die Elyas Gedanken zunächst so sehr beherrschen, dass wir immer wieder Einblicke in sie bekommen, haben dazu geführt, dass ein Tapetenwechsel das beste für die beiden ist.

Durch die Arbeit an der Wasserskianlage trifft Elya schnell auf die anderen Jugendlichen, die jedoch allesamt etwas zu verheimlichen haben. Allen voran Levyn, der sich nicht nur immer in ihrer unmittelbaren Nähe aufhält, obwohl er sich doch von ihr fernhalten sollte. Irgendetwas verbindet die beiden, aber um was es sich genau handelt, liegt erst einmal im Dunkeln. Etwas, was ich “Elya” definitiv zugute halten muss, denn die Geschichte ist alles – nur nicht vorhersehbar.

Und das nicht nur in diesem Aspekt, sondern in so ziemlich allen. Obwohl mir beim Lesen die ganze Zeit klar war, was genau dieses große, ominöse Geheimnis beinhaltet (schließlich verrät der Titel hier schon eine ganze Menge), gibt es immer wieder Neues, das es zu ergründen gilt. Eines ist klar: Die Autorin hat Drachen hier mal vollkommen neu definiert, weshalb man sich nicht auf das verlassen kann, was die gängigen Fantasy-Romane einem bereits vermittelt haben.

… und einem Worldbuilding, das sich sehen lassen kann.

Hierzu möchte ich gar nicht allzu viel verraten, um die Überraschung nicht zu nehmen, aber wenn mich eines an dem Reihenauftakt rund um Elya und Leyvn beeindruckt hat, dann war es der Weltenbau, der gut durchdacht und verständlich herübergebracht wurde. Dieser hat den vermutlichen Urban-Fantasy-Roman auf eine andere Stufe erhoben, die ich zwar noch nicht als High-Fantasy bezeichnen würde, die dem aber schon ziemlich nahe kommt.

Mit der Einführung des weitreichenden Worldbuildings kommen auch neue Charaktere auf die Bildfläche, die sich recht schnell ihren Weg in mein Herz gefunden haben. In ihrem Handeln wirken sie reifer als die Figuren in June Lake, aber vielleicht kommt mir das auch nur so vor, weil mir zu diesem Zeitpunkt noch die nötigen Informationen gefehlt haben, um das Gesamtbild zu sehen. Eventuell sollte ich “Elya” noch mal lesen und mehr darauf achten.

Auch die Bräuche, die Regierung und die Lebewesen der Welten haben ihren eigenen Charme. Wobei … die Regierung in den meisten Fällen eher nicht, aber es würde mich schwer wundern, wenn das nicht so geplant gewesen wäre.

Die Charaktere und meine Probleme mit ihnen

Die Überschrift sagt es schon: Ich hatte Probleme mit den Charakteren. Nichts allzu Schlimmes, aber trotzdem nicht unbedeutend genug, um es unerwähnt zu lassen. Da wäre zunächst die Protagonistin Elya selbst. Zu Beginn mochte ich sie nicht. Sie war mir zu aufbrausend und ist wegen jeder Kleinigkeit erstmal an die Decke gehüpft. Klar, das alles ist neu für sie, aber sie verbringt sicherlich die erste Hälfte damit, die Leute, die ihr helfen wollen, anzukeifen, zu brüllen oder zornig anzuschreien. Aber keine Sorge, der Wendepunkt kommt und sie sieht ein, dass es so nicht weitergehen kann. Gegen Ende des Buches (dazu später mehr) bin ich dann auch mit ihr warm geworden und hoffe, dass sich die Fortsetzungen ihre Entwicklung noch weiter vorantreibt.

Außerdem war ihre Wut ja auch nicht immer Fehl am Platz. Vor allem die auf Levyn, denn auf den war ich auch einige Male ganz schön sauer. Und da wären wir bei meinem Zwiespalt, den ich am Anfang angekündigt habe. Sein Name ist Levyn. Er ist der typische, düstere Bad Boy, der immer einen coolen Spruch auf den Lippen hat und der sofort Gefallen an Elya findet. So weit, so gut. Ich habe ja nichts gegen Bad Boys.

ABER Levyn trifft im Laufe des Buches einige Entscheidungen und tut Dinge, die ich nicht gutheiße. Inbesondere eine Sache (keine Spoiler, ihr wisst schon) hat mich wirklich den Kopf schütteln lassen. Es ist so, dass ich seine Beweggründe vollkommen verstehe und auch nachvollziehen kann, aber es stößt mir trotzdem sauer auf, dass er Elya nicht zumindest eingeweiht hat. Ich bin der Meinung, er hätte es tun sollen und dann wäre das alles kein Ding gewesen, denn seine Absichten waren gut. Der Weg nur nicht so sehr.

Und trotzdem fällt es mir schwer, pauschal zu sagen: Nö, das finde ich echt doof. Weil es a) zur Geschichte und b) zu Levyn gepasst hat, so zu handeln, wie er es nun mal getan hat. Vielleicht ist diese Zerissenheit doch etwas Gutes. Ich werde mir auf jeden Fall noch lange Gedanken darüber machen, ob das nun gut oder schlecht war. Ihr seht also, alles nicht so einfach.  

Ein paar Worte zum Schreibstil und wieso ich unbedingt Band 2 brauche

Der Schreibstil ist angenehm und bildhaft, so dass der Wälzer (“Elya” besitzt über 400 Seiten) sich schnell und ohne große Mühen lesen lässt. Trotzdem kann es zum Ende hin gar nicht schnell genug gehen. Mit einem solchen Cliffhanger hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Der hat mich dann doch ziemlich sprachlos zurückgelassen, so dass ich sehr froh darüber bin, dass Band 2 und 3 jeweils mit einem Monat Abstand folgen.

“Elya. Der weiße Drache” hat mich sehr positiv überrascht. Die Autorin gibt Drachen, als bereits bekannte Fantasy-Gestalten, ein vollkommen neues Gewand, überzeugt mit einem gut durchdachten Worldbuilding und einem angenehmen Schreibstil. Auch wenn ich länger gebraucht habe, um mit den Charakteren warm zu werden, freue ich mich auf den zweiten Band “Elya. Das Bündnis der Welten”.

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(c) Carlsen Impress
  • Titel: Elya. Der weiße Drache
  • Autorin: Dana Müller-Braun
  • Reihe: Elya #1
  • Verlag: Carlsen Impress
  • Seiten: 427
  • Preis: 3,99 € (E-Book)
  • ISBN: 978-3-646-60478-8

Weitere Informationen findet ihr hier.

Ich danke Carlsen Impress für das Rezensionsexemplar.

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